September 20, 2007

Gewaltlust transzendiert auf den Tod


Lust ist im Bestreben nach Verschmelzung mit dem Objekt der Lust, durch ein sich stetig verschiebendes vorauseilen des Objektes der Lust gekennzeichnet. Sollte es sich bei diesem Objekt der Lust um die Gewalt handeln, so fordert diese neben der pflichtmäßigen Anerkennung der Gewaltspirale, also der gewaltsamen Antwort auf Gewalteinwirkung (und sei es auch die Gewalt gegen sich selbst in ihren vielfältigen Formen und Arten) auch die transzendenz auf den Tod. Denn in der Gewalt west unausgesprochen und aussprechlich auch das Heilige an. Dieses im Ideenhimmel situierte Heilige lockt lustvoll mit jenem Reich ewiger Gültigkeit der ohne Ort ist.

Die durch Lust motivierte Transzendenz auf die Idee des Todes wird gleichzeitig durch die Angst erzwungen. Angst kann beschrieben werden als die Nichtung des Nichts, das ist der Entzug der Wirklichkeit und ihrer Verengung auf einen Punkt hin (nichten legt Heidegger in "Was ist Metaphysik?" allerdings in paradoxen Gehalt als verweisendes-entziehen aus). In diesem Nichten drängt und schiebt die Gewalt die bunte Vielfalt der Wirklichkeit weg und verengt unsere Wahrnehmung auf die ewige Idee des Todes hin.

Ich will mich bemühen die in diesem Sinne voll von lockend-schiebender Lustangst beschriebenen Gewalterfahrungen praktisch z.B. in Form von Deeskalationstrainings zu vermitteln. Wer für die quantitative und qualitative Forschung Operationalisierungen kennt, mag diese doch bitte frei heraus als Kommentar anfügen.

September 19, 2007

Vernisage mit Wurm drin


DA IST DER WURM DRIN

Das "Raumlichtbild" von Daniel Koscak wurde am Abend der Vernissage unter den Augen von grotesk begeisterten Vernisagebesuchern durch den Gebrauchsgegenstand "Apfel mit Wurm" ergänzt und erweitert. Das Kunstkabinett Post in Freiburg bürgte natürlich dafür. Darüber hinaus auch ohne den Einsatz von Securitys dafür, das ein Raum, der sich für einen Moment lang über sich erhoben hatte in eine andere Dimension, die mehr ist als Raum, schnellstmöglich wieder aufgehoben wurde.


ALLSEITIG VERÄRGERUNG BEI DEN ZEUGEN

"Nur muss ich hier wiedermal Popper Recht geben," schreibt einer der Augenzeugen, "der implizit das Fehlen der Diversilokifikation (welche in die Kritikfähigkeit münden würde) bei der Betrachtung jeglicher Dinge bemängelt und die ist leider in solch einem totalitären System an der Tagesordnung, was man schön an den Beispiel erkennen kann, dass ein *nicht-autorisiertes* Bild mit einer Tischdecke und einem Vorhang keine Existenzberechtigung neben einem *autorisierten* Bild mit Schnüren hat. Es geht sogar soweit, dass dieses Anti-Kunstwerk, auf welchem der Aufkleber fehlt "Das ist Kunst", der aber unsichtbar ist und nur von *Kunstexperten* gesehen werden kann (so wie "Des Kaisers neue Kleider"), klammheimlich, wie eine unpassende Leiche, in den Untiefen eines stinkenden Mülleimers verschwindet."

AUCH FOUCAULT NIMMT DAZU STELLUNG...

Während nämlich Koscaks Einrichtung sich in eine Richtung bewegt, d.h. von allen anderen Richtungen wegschaut und ihnen keine Richtung zutraut, war der "Apfel mit Wurm" eine Möglichkeit, die gesetzten Grenzen dieser Richtung zu übersteigen. Denn insofern
kritische Kunst gar keine Kunst ist und der anonyme Verfertiger von "Apfel mit Wurm" gar kein Künstler, gewinnt der Ausstellungsraum in der Galerie Post eine Einzigartigkeit, die weit über das hinaus geht was er beinhaltet.


...UND WIEDER JUARROZ MIT DEM LETZTEN WORT

Eine solche Einzigartigkeit eines Raumes, die mehr ist als Raum, wurde entkleidet. Indes sie ihre freche Respektlosigkeit gegenüber der Unwirtlichkeit offen zugibt. Eine schlechte Qualität des Äshetikdiskurses zu zugeben ist eine Sache. Aber dabei von Ehre,
Achtung, Würde und anderer moralischer Vokabel keine Ahnung vor zu täuschen, weil eben nur eine, auf billiger Seinsmetaphysik beruhende Freiheit exklusiv zugelassen ist. In diesem homogenen Zwang wurde für einen Moment lang das Unendliche im endlichen Sein als ein unmögliches Spiel ausgeführt, weil nichts einen Raum hat.



(Vgl. Juarroz, R. (1997): Poesie und Wirklichkeit. Tropen Verlag. S.7 und 47; Foucault, M. (1990): Was ist Aufklärung, in: Erdmann, E., Forst, R., Honneth, A. (Hrsg.): Ethos der Moderne. S.48)

August 21, 2007

Philosophie und Demokratie

Der wohl klassische Fall des Philosophenkönigs Platon beschäftigt die Geister bis heute.
Die einen loben Platon, da er dem Philosophen seinen ihm zustehenden Platz in der politischen Hierarchie zugestand: ganz oben, auf dem goldenen Thron, mit der Eule der Minerva auf der Schulter. Hier entscheidet der wahrhaft Wissende, der über alle Zweifel erhabene, der in den Ideenhimmel geschaut hat, um die politischen Geschicke einer Polis zu führen. Wenn es um die Führung des Gemeinwesens geht, braucht es einen, der in alle Abgründe geschaut hat und der Wahrheit mit Verstand und Witz ihre Geheimnisse abgetrotzt hat. Wer anders als der Philosoph könnte besser wissen, was die richtige Politik ist?

Die anderen - wie der sich-beim-Problemlösen-offenbar-langweilende Popper - kritisieren den Meister der Dialoge, werfen ihm vor, er verachte die Demokratie und wolle eine Elitenherrschaft der schlimmsten Art etablieren. Der Philosophenkönig weist dem Rest des Stammes seinen Platz zu. Aber wer rückt den Philosophen selber zurecht? Vielleicht die göttliche Vorsehung? Ein übermenschlicher Schachspieler? Wieso solle es der Philosoph so viel besser wissen als der gemeine Bürger?

August 06, 2007

Sommeracademie Philosophia Iuris



Rechtsdogmatik gepaart mit einer zisterniensischen Dogmatik versus einen antinomischen Philosophen ergibt eine Woche voller spannender Kontroversen (siehe den Dokumentations- band zur Veranstaltung). Eine wahrlich bereichende Erfahrung.

Juli 09, 2007

Aedenia ist tod.

Während Google noch einen Abgesang auf Aedenia abgibt, ist Aedenia längst vom Netz gegangen. Gründe dafür sind wohl die mangelnde Beteiligung an der verbesserung der uns bekannten Welt.

Warum sich so wenige Menschen per Internetforum Aedenia an der Weltverbesserung beteiligten, wird wohl jeder für sich selber wissen, kann in form einer Soziologiearbeit aber auch auf www.adolphnet.de/schriften/unpubliziert nachgelesen werden

Juni 14, 2007

Vortrag und Korrektur

Tja, Vortrag lief ganz in meinem Sinne.

habe provoziert und genau über jene Dinge diskutiert die ich diskutiert haben wollte und schlussendlich die Erlaubnis gekriegt, die beiden Konzeptionen auf ein bestimmtes Thema anzuwenden (kapitel3.4.).

Die Kkkokokokoloresvermittlung gibt einen Ausblick im Kapitel 4 (Derrida und Lévinas)

Mein Vater hat als erster seine 25 Seiten Korrigiert. Willem will Montag fertig sein. Claudia ist dran und der Benedikt ist mit Glück abrufbereit für das letzte Kapitel. Läuft doch alles wunderbar.

Die Fragen der mündlichen Prüfung werden personifiziert und möglicvhe Antworten mit Schemata introversiert.

Figal macht die Zweitkorrektur und den Zweitprüfer und empfielt mir seine Bücher unter anderem, das oben gelingte.

Mai 25, 2007

Drinkt sich so langweilig wies klingt

Der Betreuer meiner Magisterarbeit zum Thema:

Verhältnisse der Gerechtigkeit

Zur Vermittlung von kommunitarischen Gerechtigkeitskonzepten und Tauschgerechtigkeit

, der Betreuer also der Gutste ist bereit mir ein Forum zu organisieren, bei dem ich meine Arbeit einem versierten Fachpublikum vorstelle.

19:15 am 6.6.07.

Der Appetizer:

Angaben zum Vorhaben

Geplant ist eine kritische Vermittlung zweier, aktueller Gerechtigkeitskonzeptionen. Zur Disposition stehen die Staats- und Rechtswesen begründende, rechtskonstituierende Gerechtigkeit des Neukantianers Ottfried Höffes (v.a. Politische Gerechtigkeit 1987, Demokratie im Zeitalter der Globalisierung 1999) und die von Michael Walzer (1983), in kritischer Intention gegen John Rawls „Theory of Justice“ (1971) Vorgetragene: „Spheres of Justice“.

Heuristisches Mittel der Vermittlung stellt die Dissertation des Habermasschülers Rainer Forst. Sie will Probleme der praktischen Vernunft in vier verschiedene Kontexte der Gerechtigkeit (1996) einteilen (ethischer, moralischer, rechtlicher und politischer Kontext), die auch Grundlage meiner Vermittlung von Gerechtigkeitskonzeptionen darstellen. In jedem Kontext gilt es neu, die beiden gegensätzlichen, auf spezifische Fragestellung zugespitzten Gerechtigkeitskonzeptionen so zueinander zu positionieren, dass „ein Reich der Freiheit“ (Kant) entsteht. Im Einzelnen werden innerhalb der Kontexte behandelt:

- das Zusammenspiel von Person und Gesellschaft

- den Hiatus zwischen praktischer Rechtfertigung und universeller Gültigkeit

- die Verbindung von Gerechtigkeit mit Intuition und Gewohnheiten und

- letztlich sogar die Vermittlung der Eupraxie mit Migrationsbewegungen.

Lässt sich innerhalb der Kontexten ein abarischer Punkt der Freiheit ermitteln, ist damit jedoch nicht geklärt, ob auch und zwischen den Kontexte Punkte existieren, an denen sich die „Anziehungskräfte“ der beiden Gerechtigkeitskonzeptionen gegenseitig aufheben.

Angesprochene Fachgebiete sind die praktische Philosophie (politische-, rechts-, moral- und Sozialphilosophie und Ethik), paradoxe und heterodoxe DenkerInnen die offen genug sind, zwischen verschiedenen Apologien keine eindeutige und festgelegte Dogmatik zu vertreten.

Februar 09, 2007

I got it

Ich habe zum ersten mal im Laufe meiner Arbeit jemanden um Hilfe angefragt: hoffentlich antwortet er schnell, hoffentlich antwortet er gut, hoffentlich in meinem Sinne.

Warum ausgerechnet die bezeichneten 4 Kontexte der Gerechtigkeit, Herr Forst?

Antwort folgt:

Februar 04, 2007

Langsam und Ausdauernd


Langsam und steig ist sicher ans Ziel kommen- auch wenn ich manchmal wegen schlechter Sicht umkehren und erneut von weiter unten beginnen muss.

Januar 22, 2007

Schreiben, schreiben, schreiben

Nachdem ich den Tag wie ne olle Schrippe übers Bügelbrett, ich über diese Tatstatur gerippt bin, was ich jetzt neues über den guten Alten Rainer weiss (nich war Rainer, wir beide verstehn uns) soll ich jetzt zum Abschluss auch noch etwas schreiben.

Also der Rainer und ich, wir sind ganz dolle Freunde. Nicht war Rainer?
Ich benutz seine Methode, wende sie auf mein Aufgabenfeld an und bügle auch noch gleich eine kleine Inkonsequenz aus. Eine kleine Inkonsequenz, dass kann doch jedem mal passieren auf über 450 Seiten, nich war?

Is ja auch nicht leicht mit den Paradoxa, und wie die bei Heidegger oder Derrida aufgelöst und zum verschwinden gebracht werden kann ich nur in den Sternen oder bei Heidie und dem anderen Autor lesen. Bei mir jedenfalls steht davon nichts mehr. Abgehobene Scheisse. UNd wer sollte das auch noch verstehen.

Schließlich will ich coolen Scheiss mit human und explizit schreiben und nicht Pilosophengesülze völlig abgehoben über den doppelten Boden. Auch wenn die Form der Arbeit, der Anspruch der Korrektoren und mein eigener Anspruch schon dahingehend mich beengen... Gelassenheit sag ich. Wie mit dem Paradoxon auch. einfach nicht drüber aufregen und alles wird gut. Dafür hat's dann mit Ch. S. Peirce geklappt. Dessen Metaphysik war mir schin immer symphatisch. Und so praktisch ist die.

Zum Frühstück Briefe, zum Mittag Rainer und zum Abend Briefe wie diesen (...nocheinmal ins Europapark gehen oder andere Vergüngunspark besuchen...) und der krass coole Blog-Post.
Meine Lieben (und damit meine ich universell alle Menschen) entweder es wird nichts oder es wird was.


Haut rein ihr alten Asse!

Januar 20, 2007

Endlich mal so richtig durchscheissen

KEINE GELASSENHEIT

Nach dem Hals ist vor dem Darm
- weil alles andere unnötig kompliziert und ziellos wäre habe ich mich geeinigt- auch wenn ich nach wie vor entzweit bin- V E R N ü N F T I G zu sein. Das implizier blinden routinen zu folgen, "Älter" zu werden (was auch immer das bedeutet und nicht zuletzt soll)

Wer mich kennt, weiss, dass das mit dem Vernünftig sein so eine Marotte ist, die ich auch gut gegen Sponatnimus, Irrationalismus, Intuitionismus, Assoziationsimus und gegen Chaos, Anarchie und pöbelige Provokation eintauschen kann.

Also mein Lieber Rainer ein dickes FUCK YOU geht an Dich.

Amen. Basta.

November 22, 2006

Kontexte der Gerechtigkeit

Rainer Forsts Kontexte der Gerechtigkeit hat mirs angetan.

Nach dem gleichen vermeindlich idealistischen Schema von 4 Kontexten (ethisch, politisch, rechtlich und moralisch) in vier Kategorien (Person, Gemeinschaft, Autonomie und Gut) will ich Höffes transzendentale Tauschgerechtigkeit und Walzers Sphärengerechtigkeit vergleichen und vermitteln.

November 13, 2006

Magisterarbeitsstress

Kaum angefangen schon befangen...

unglaublich abgestresst von den professoralen Autoritäten, kann mir kaum vorstellen, wie meine Arbeit aufgebaut sein soll.

Logisch- is klar, geht klar.
Systematisch- wow was für ein Anspruch.
Aber wie soll ich das Logik und Systematik verknüpfen? Hat jemand einen Masterplan für eine Masterpiece? Ach mir wird schon was einfallen.

Nach den Kriterien eines gut lesbaren Romans: Spannung und bloß keine Langeweile. Jonglage mit Gefühlen wie Wut, Trauer und freudiger Lust ohne dabei von der Objektivität der Darstellung abzuweichen, die sowas wie Gefühle nicht kennt. Woher kenne ich dieses Motiv?

Jongleur:
"Das Leben besteht darin Fragen zu vernichten."

Oktober 03, 2006

Gewalthausarbeit beendet 10/10 Gerechtigkeit 3

Die Hausarbeit zum Verhältnis individueller und Kollektiver Gewalt, von verbaler Gewalt zum Heiligenin der Gewalt ist beendet!
Bald kann sie auf meiner Homepage eingesehen werden (http://omnibus.uni-freiburg.de/~ca11)

1. Versuch die Arbeit in einen Artikel beim Daheim-Magazin einmünden zu lassen.
2. weitere potentiell interessierte Magazine?

Nächstes dauerhaftes Projekt (bis März 2007):

MAGISTERARBEIT ZUM VERHÄLTNIS VERSCHIEDENER GERECHTIGKEITEN

September 22, 2006

Gewaltiges Paradox

Ich:
Die Frage verliert ihren Fragecharakter wenn sie beantwortet wird. Nur wenn sie beantwortet wird, kann sie Nachkommen zeugen.
Fragen müssen gepflegt werden um zu sehen was an Fragen und Antworten in ihnen steckt.
(Meth.: Samen muß man pflegen.)

Heidegger:
Die Frage erschließt sich vorgängig vom Gefragten her, d.h. die Antwort ist der Frage vorausgehend. Nur wenn es Antworten gibt, können Fragen gestellt werden. Es gibt also unmengen Antworten, die nur darauf warten gefragt zu werden.

September 07, 2006

Von der gewalttätigen Natur zur Kultur der Gewalt 9

Von der anthropologischen Konstante zum Kulturrelativen Konstituens der Gemeinschaft

Immanuel Kant sieht im Menschen einen „Mechanismus der Natur“ wirken, der durch „selbstsüchtige Neigungen“ (ebd.) und „böse Gesinnung“ (ebd.) genährt wird und letztlich auf dem „radikal Bösen“ beruht, also einem „in seiner Gattung verwurzelter Hang“ (ebd.). Dieser „Bösartigkeit der menschlichen Natur“ entspricht eine wilde, gesetzlose Freiheit, durch die sich Menschen „schon durch ihr Nebeneinandersein lädieren“(ebd.) weil sie in natürlicher Weise „ihren Privatgesinnungen einander entgegen streben“ (ebd.). Das menschliche Zusammenleben kann Kant daher, ähnlich seinem Kollegen Hobbes als einen „Zustand des Krieges“. „Der Krieg aber selbst bedarf keines besonderen Beweggrundes, sondern scheint auf die menschliche Natur gepfropft zu sein“, so dass „wenngleich nicht immer ein Ausbruch der Feindseligkeiten, doch immerwährende Bedrohung mit denselben“ besteht. Auf diese Art und Weise sieht er eine als „ein Volk von Teufeln“ perhorreszierte Menschheit.

Dieser kantischen Differenzierung zwischen Menschen und Teufeln unterliegt die Verschiedenheit der Menschen hinsichtlich der umfassenden und neutralen Kategorie der Sittlichkeit, die als Grundhaltung eines ‚pflichtgemäßen’ Handelns das vom reinen allein durch Vernunft bestimmten Willen abhängt. Die Sittlichkeit dient ihm gemeinsamer Maßstab, anhand dessen der Vergleich erfolgen kann. „Was ähnlich ist, von dem nimmt man an, dass es zur selben Klasse gehört, und was das eine von dem anderen unterscheidet, wird als das dem Gegenstand Eigene [individuelle] betrachtet.“ Ergebnis dieses Vergleichsprozess die Markierung von zusammengehöriger Eigenschaften (Satz der Identität), die jeweils verschiedenen Klassen (Satz vom zu vermeidenden Widerspruch) zugeordnet sind. Von hier aus können Praktiken der Exklusion und Reinigung greifen, weil Unterschiedliches als die „Abweichung von dem was geteilt wird“ markiert ist.

Neben Relativität der Gewalt zum propositionalen, Differenzen setzenden und minutiös kassifizierenden Akt, offenbart das essentialistische Verständnis der Gewalt, eine grundsätzliche Ambivalenz, die Inkludieren als auch Ausschließen kann, und die Frage offen lässt, wie aus Einzelteilen ein autonome Gemeinschaft werden kann. Wie „eine Menge von Vernünftigen Wesen, […] so zu ordnen und ihre Verfassung einzurichten [ist…], dass, obgleich sie in ihren Privatgesinnungen einander entgegenstreben, diese einander doch so aufhalten, dass in ihrem öffentlichen Verhalten der Erfolg ebenderselbe ist, als ob sie keine solchen bösen Absichten hätten“ ?

Kants Antwort besteht letztlich darin, Verträge zu fordern, die öffentliches Verhalten von Gewalt reinigen und die einander entgegenstehenden Interessen, Werte und Ideen neutralisieren. „Gewalt, das Bedrohliche, die Ordnung gefährdende, daher letztlich Asoziale und Amoralische soll mit Hilfe der kontraktuellen Vernunft nicht lediglich sublimiert, sondern ihr soll – so etwa durch die vertragliche Absicherung des staatlichen Gewaltmonopols – moralische Qualität verliehen werden.“ Genau wie bei Hobbes gilt dabei auch Kant auctoritas non veritas fecit legem, d.h. „die Leidenschaften der Gewalt werden durch Regeln zeitweise gebändigt, etatisiert und in ein legales Instrument umgewandelt.“

Somit erfahren die Menschen nicht nur durch die Konflikte Dritter eine soziale Integration als Gruppe und somit ist „Gewalt als Resultat einer typischen Form der sozialen Integration und eben nicht des Desintegration aufzufassen, also einer spezifischen gesellschaftlichen >Normalität<>Ausnahme-<>Negativzustandes<.“ Gewaltanwendung die auch in diesem Zusammenhang „als eine ungeheuerliche Verbindung von völlig unerträglichem, dennoch aber ewig auszustehenden Leiden – und Verspottung zu definieren ist,“ bzw. die Drohung mit Gewalt, erlaubt eine Integration in soziale Ordnung.


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Heute ganz ohne Fußnoten- aber es sei Dir versichert es gibt 14 Stück.

August 29, 2006

Methode der Gewaltarbeit 8

Methode wurde nochmal überarbeitet und Vertieft, so dass der unten stehende Text eine vormalige, unaktuelle Version ist. Anyway:

Es gibt viele, sich teilweise widersprechende Verständnisse und monolithische Analysen davon, was den innersten Kern und das Wesend der Gewalt in der Sprache ausmacht. Es kann zu dieser Pluralität von Verständnissen kommen, weil Verständnis ein fundamentales Existenzial des Daseins ist, (1) gleich-ursprünglich mit Befindlichkeit und Rede,(2) wohingegen letztere fehlen kann, ohne dass deswegen auf das Fehlen der Auslegung geschlossen werden darf.(3) Im Vergleich von Heideggers mit Max Webers Verstehensbegriff, der „soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklärend will,“(4) fallen zwei Punkte ins Auge. Zum einen löst der Heideggersche Verstehensbegriff das Problem des Fehlens letztgültiger Einsicht in den subjektiv geglaubten Sinn nicht wie Weber, durch Rückgriffs auf Evidenz- oder Gewissheitsschlüsse, sondern durch Betonung des Entwurfscharakters des Verstehens. Zum anderen ermöglicht just dieser Entwurfscharakter eine Pluralität von Perspektiven die Rechnung zu zollen, innerhalb derer sich je nach Situationsdefinition und ihren komplexen Zusammenhängen, Erklärungen nach immer wieder neuen Regeln konstituieren. Webers Verstehensbegriff schänkt sich auf eine subjektive Bezogenheit auf andere und Erklärbarkeit ein.(5) Dem hingegen ist „verstehendes Entdecken des Unverständlichen“,(7) ist durch den Entwurf charakterisiert, der „mit der Thematisierung des Unthematischen auch die Horizonte selbst [umfasst], da diese nicht als vorgängig stabile Interpretationsrahmen anzusehen sind.“(8) Die Daseinsanalytik mit dem Existenzial des Verstehens als Entwurf, soll hier einen Rahmen auch für das Verständnis der Verhältnisse von Sprache und Gewalt abgeben.

Trotz und gerade wegen dieses analytischen Ansatzes und der daraus entstehenden Vielfalt kann angenommen werden, dass Gewalt in vielfältig spezifischen und oft komplexen Formen auftritt, die jeweils lokal analysiert werden sollten.(9) Gerade dann, wenn man sich der Pluralität von Gewaltformen und Phänomenen zuwendet, kann man sie nur dann zueinander in Bestimmung bringen, wenn man von ihren verschiedenen Verhältnissen ausgeht.




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1: Heidegger, M.(2001)18: Sein und Zeit, Tübingen: Max Niemeyer Verlag. 336.
2: Heidegger (2001): 161.
3: Heidegger (2001): 157.
4: Winkelmann, J. (Hrsg): Max Weber. Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie. Tübingen: J.B.C. Mohr 1976, S.1.
5: Winckelmann, J. (1988)7: Max Weber. Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre. Tübingen: J.C.B. Mohr (Paul Siebek), S.429.
6: Heidegger (2001): 336.
7: Pasternack, G. (1998): Hermeneutik als Daseinsanalytik. Intrakulturelle Explikationen des interkulturellen Verstehens. 5. 37 —60. In: Studien zur interkulturellen Philosophie, Bd. 9 (1998). S. 59.
8: Vgl. Hanssen, B. (2001): Zur Politik der reinen Mittel: Benjamin, Arendt, Foucault. S.99- 118. In: Erzgräber, U. Hirsch, A. (Hrsg.): Sprache und Gewalt. Berlin: Berlin Verlag. S.118.

August 24, 2006

Gewalt als Dissoziation und Assoziation 7

Die gegenseitige freie Anerkennung, Liebe und Freundschaft vereinigt Verschiedenartiges und macht eine beiderseitige Kooperation möglich. Diese Vereinigung zum Zweck des koordinierten Handelns wird oft auch Macht genannt. „Macht aber besitzt eigentlich niemand, sie entsteht zwischen Menschen, wenn sie zusammen handeln, und sie verschwindet, sobald sie sich wieder zerstreuen.“(1) Gewalt hingegen, sei im Gegensatz zur Macht und deren institutionalisierten Form der Herrschaft, frei von jeder Rechtfertigung und Beschränkung und vielleicht frei von der Zweck-Mittel-Relation.(2)

So sehr den Ersteren die Macht als heilvolle regulative Idee erscheint, die nur zerstört, nicht aber von Gewalt ersetzt werden kann(3)ist den daran Anschließenden die Macht „ein Vermögen, welches großen Hindernissen überlegen ist. Eben dieselbe heisst eine Gewalt, wenn sie auch dem Widerstande dessen, was selbst Macht besitzt, überlegen ist“.(4) Auch wenn die beiden Auffassungen hier antagonistisch gegeneinander stehen, können sie dennoch kakophon gemeinsam klingen, weil beide nicht die ganze Wahrheit beschreiben, sondern Kant die Macht nicht von Stärke oder Kraft differenziert und Ahrend einen auf’s Instrumentelle verengten Gewaltbegriff beschreibt.(5) Damit denunzieren sich beide Autoren als Nutznießer einer der vielen Verbindungen zwischen Macht und Gewalt.

Angesichts dessen, dass Macht als ein Miteinander beschrieben werden kann, das nahe genug ist, um die Möglichkeit des Handelns ständig offen zu halten“,(6) intendieren alle PhilosophInnen dem oder der LeserIn diese Nähe zu vermitteln. Gelingt diese Wahrheitsübertragung, ist durch geteilte Überzeugungen und Wissen neue Macht entstanden. Der Assoziation dieser neuen Macht liegt die Dissoziation der vormaligen Macht zugrunde. Anders gesagt, zwängen, drückten und schieben jene verbalen Umstände, die mit enger Nähe zu der einen Macht verbunden sind, zur Forderung von größter Distanz zur anderen Macht. Die Kehrseite von Assoziation und Nähe ist die Dissoziation von vormaliger Nähe, der Aufbau von Distanz zur vormaligen Assoziation. Was dem Widerstande dessen trotzt, was selbst Macht besitzt, also der Vereinigung Verschiedener überlegen ist, der ursprünglichen Einheit etwas entrückt und ihr verschieden macht, ist die Stärke und Kraft der Gewalt.

Im Folgenden sollen die Überlegungen zu den Verhältnissen von Sprache und Gewalt anhand der Phänomenbündel ‚Gender’ und ‚Bundeswehr’ fortgesetzt werden.



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1: Ahrend, H. (1967)11: Vita activa oder Vom tätigen Leben, München: Piper Verlag. S.252.
2:Benjamin, W. (1977): Gesammelte Schriften. Bd.2. Tidemann R. u.a. (Hrsg.). Frankfurt am Main: Suhrkamp.
3: Ahrend 1967: 255-257.
4: Kant, I.: Kritik der Urteilskraft §28 (II 105)
5: Ahrend: Macht und Gewalt: 12; 63; 52.
6: Ahrend 1967: 253.

August 13, 2006

Utopisch geschützt und christlich verborgen

An einem Ort sollen eine Vielzahl disparater Visionen und utopischer Gedanken wie Strandgut angespült werden, die meist heterodox zueinander sind und daher zu ihrer Polyphonie mehrfach dissonant klingen. Ein solcher Ort tauscht auch nur mit dem Widersprüchlichen, Nichtidentischen und findet Einheit bloß in der Mannigfaltigkeit dessen, was jene Einheit verneint.(1) Ganz gewiss kann es gelingen das A-logische, das Regellose, das Willkürliche, das radikal Fremde und den Anderen, mit dem kein Sinnhorizont mehr geteilt wird, zu befreunden und liebevoll mit einzubeziehen. Wird jedoch danach gefragt ob denn an diesem Ort Wissen von morgen schon heute zu erlangen ist(2), kann diese Funktion des Unidentischen, des Dissoziierten und Unartikulierten ebenfalls nur mit einer Negation beantworten.

Die berühmteste Antwort auf diese Frage nach der Zukunft kannte nach Platons Interpretation schon Sokrates, kurz bevor er den tödlichen Schierlingsbecher leerte. Mit seinem bekannten Ausspruch: „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ (3) wies er auf eine grundlegendere und zugleich höhere Einheit des Wissens hin, als der Mensch zu begreifen vermag. Er wandte sich damit, nicht nur gegen die tödliche Enge seiner eigenen geschlossenen, an letzten Wahrheiten aufgehängte Systematik, sondern auch gegen das gefährlich totalitäre System von Glaubensvorstellungen seiner sophistischen Widersacher.

An diesem Ort wird zwar solche Totalität dadurch verhindert, dass der Einzelne zum Gesetzgeber seiner selbst geworden ist, ohne, dass seine individuellen Eigenheiten und Vergangenheiten mehr zählen als die der anderen. Anders gesagt die Zertrümmerung der absolutistischen Moral der getrennten Welten(4) ist verbürgt durch eine Verkleinerung der moralischen Maßstäbe im Internetforum. Was aber verbürgt, dass dieser Sturz in eine regellose Offenheit (5) mit kaum abzuschätzenden Konsequenzen, als Bereicherung erlebt wird (6) oder ein Kontinuum von Diskontinuitäten hervorruft(7)? Sicherlich schließen Globalisierung und Vielfalt sich nicht aus (8) aber alternativ zu Liebe, Billigkeit, Vergebung, Barmherzigkeit, Anerkennung, Freundschaft und Gerechtigkeit als Ziel der versuchenden Moral, können auch anderem nicht nur sich gegenseitig begünstigende Verhältnisse gedacht werden.


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1 Horkheimer und Adorno 2003: Dialektik der Aufklärung. Suhrkamp. S.54.
2 Vgl. Niemann H.-J. (1994): Die Utopiekritik bei Karl Popper und Hans Albert. In: Aufklärung und Kritik 1/1994 (S. 57 ff.)
3 Platon. (1994): Apologie des Sokrates. Erste Rede, 21d. In: Wolf, U. (Hrsg.) Platon. Sämtliche Werke. Übers. Schleiermacher, F. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag.
4 Vgl. Beck, U. (1997): Was ist Globalisierung? Irrtümer des Globalismus – Antworten auf Globalisierung. Frankfurt am Main: Suhrkamp. S.137.
5 Byung-Chul, H. (2005): Hyperkulturalität. Kultur und Globalisierung. Merve Verlag Berlin. S.70.
6 Alternativ könnten auch Liebe, Billigkeit, Vergebung, Barmherzigkeit, Anerkennung, Freundschaft Gerechtigkeit das Ziel der versuchenden Moral sein, denn „Globalisierung und Vielfalt schließen sich nicht aus.“ (Byung-Chul 2005: 22)
7 Byung-Chul 2005: 71.
8 ebd. 22.